Dissonanz

von Max Dax

Tag zweihundertdreiunddreißig

In den langen Flur seiner weißgestrichenen, lichtdurchfluteten Wohnung, die er trotz seines nomadischen Lebens gelegentlich am Wochenende betrat, hängte V2 Schneider fünf übermalte Druckgrafiken der befreundeten Künstlerin R., die er kürzlich – und er erwarb selten Kunst – gekauft hatte. Die hochformatigen Arbeiten im Maß 20×30 cm wiesen als Kernelement dreizeilige Buchstaben/Ziffernreihungen in hoher Punktgröße aus und waren auf das imposante, an Bauhaus-Design erinnernde, elfenbeinfarbene Briefpapier eines Berliner Grafikers gedruckt. Schließlich waren die Drucke mit Kreiden, Aquarelltechnik, Gouache oder Bleistiften übermalt worden, teilweise verdeckten Schraffuren die Buchstaben/Ziffernreihungen fast komplett, zwei Arbeiten hingegen kamen mit wenigen beigefügten Strichen aus.

5 9 q 4
7 8 6 5
5 5 5 6

A 5 6 7
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k i 8 8

r 5 4 3
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5 5 5 5
5 5 5 5

Am Abend schaute V2 Schneider in den Spiegel: Seine Schläfen waren grau geworden, sein Haar war durchsetzt von weißen Haaren, seine Augen blickten müde. Er sah aus wie Joseph Kosuth, nur dünn, dünn, dünn.

Noch sieben Tage.

Tag zweihundertzweiunddreißig

Olivenöl, Knoblauch, Peperoncino, Salz und Garnelen erhitzen, nach einer kurzen Weile mit etwas Weißwein ablöschen, kleingehackte Petersilie dazugeben, mit Spaghettoni Nr. 412 servieren, dazu eine eiskalte Flasche Pinet aus der Bourgogne. Olivenöl mit Knoblauch, Peperoncino, Salz und Ingwer erhitzen, Lachssteaks von beiden Seiten kurz ziehen lassen, mit Weißwein ablöschen, dazu eine eiskalte Flasche Vernaccia di San Gimignano. Mit etwas Weißbrot servieren.

Kristof Schreuf erwähnt, dass der Mensch nichts vergisst, niemals. Selbst Alkohol und bestimmte Drogen versperren lediglich den Weg zur Erinnerung, löschen sie aber nicht. In diesem Sinne ist das Hirn des Menschen wie eine gigantische Festplatte und ebenso stoßempfindlich. Bei Kindern muss man sich die Festplatte komplett leer vorstellen, ein paar wenige gelbe, grüne, blaue, rote, orangene und lilafarbene Erinnerungsbauklötze liegen unsortiert, aber nahe beieinander. Vermutlich durchlebt jedes Kind seine komplette Vergangenheit mehrfach, erst später filtert der Mensch, verdrängt er, will er vergessen. Es ist ebenso erregend wie beunruhigend zu wissen, dass man theoretisch jederzeit Zugang zu Verschüttetem, von sich Gewiesenem erhalten kann. Im Moment des Todes durchmisst der Sterbende die Festplatte im Schnelldurchlauf.

Claude Lanzmann, erzählt V2 Schneider, habe seinen Saab in Paris damals einfach auf dem Blumenbeet vor dem Luxusrestaurant in Richelieu-Druot geparkt. Schreuf likes this (Daumen hoch) und schlägt vor, dass Schneider ein Interview mit Claude Lanzmann führen müsse, in welchem dieser ausschließlich über Sportwagen, Austern, Handfeuerwaffen, heiße Frauen, Harry’s Bar und Frühstücke im Elysée-Palast spricht, aber nicht über Politik. Schneider likes this idea (Daumen hoch), too.

Noch acht Tage.

Tag zweihunderteinunddreißig

Aufgewacht in der Großen Hamburger Straße. V2 Schneider hatte sich einen Arabica gekocht und blickte schweigend aus dem Fenster im zweiten Stock auf die die jüdische Schule sowie die riesige Freifläche, auf der einst der alte jüdische Friedhof untergebracht war, und auf die beklemmende Deportations-Skulptur von Will Lammert. Das Areal ist heute von einem riesigen Zaun umgeben und wirkt wie eine Festung. Die Schule und ein angrenzendes jüdisches Altersheim waren 1942 zu einem »Judenlager« der Gestapo umfunktioniert worden, in ein Gefängnis mit Gittern und Scheinwerfern. Von dem innerstädtischen Lager aus wurden mehr als 55.000 Juden in die Vernichtungslager des Ostens deportiert, der Friedhof wurde 1943 von der SS zerstört, die Gebeine der Toten geschändet.

Mit der Fernbedienung klickte sich Schneider bis zu dem Track »Mademoiselle Mabry (Miss Mabry)« von Miles Davis’ 1969 veröffentlichtem Album »Filles de Kilimanjaro« vor und hörte die ruhige, eine neue Zeit vorausahnende Musik in einiger Lautstärke.

Die Pizza Margherita mit Edamerbelag, die er in einem von Pakistani geführten italienischen Restaurant in der Dorotheenstraße zum Mittagessen serviert bekam, ließ er unangetastet zurückgehen.

Bei Dussmann kaufte V2 Schneider aus einer Laune heraus:

1. Eine DVD »L’Avventura« von Michelangelo Antonioni (17,99 Euro)
2. Eine CD »The Sidewinder« von Morgan Lee (6,99 Euro)
3. Eine CD »Hub-Tones« von Freddie Hubbard (6,99 Euro)
4. Eine DVD »Das Dschungelbuch« von Walt Disney (19,99 Euro)
5. Eine wundervoll illustrierte Ausgabe von Kenneth Grahames »Der Wind in den Weiden« (22,90 Euro), da in diesem Buch der Dachs bekanntlich eine Hauptrolle spielt.

Am frühen Abend besiegt der FC St. Pauli den KSC mit 2:1 und erobert zumindest zeitweilig die Tabellenspitze.

Noch neun Tage.

Tag zweihundertdreißig

Mit dem Taxi fuhr V2 Schneider am späten Abend ins Bonfini am Alexanderplatz. Er war dort mit N. verabredet, die er erst kürzlich in Hamburg kennengelernt hatte. Schneider bestellte Lachs-Carpaccio und Seeteufel-Saltimbocca und bat den Kellner, einen freundlichen jungen Mann aus Vicenza, beim Lachs auf jegliche Beigaben von Salat, Pinienkernen und dergleichen zu verzichten. N. bestellte nichts, dafür trank sie tapfer vom erdig-sandigen sizilianischen Weißwein. Angeregt unterhielten sie sich über die ›Church of Satan‹ und ihre hedonistisch-darwinistischen Glaubensgrundsätze, wobei Schneider N. verschwieg, dass er erst kürzlich mit dem Teufel telefoniert habe. In der 8mm-Bar wurde er nachts um ein Uhr von der Realität eingeholt und musste an ein unangenehmes Telefonat vom Vormittag denken, welches ihn daran erinnert hatte, dass der Mensch auf sich selbst geworfen ist. Er verabschiedete sich von N. und stapfte durch den vereisten Schnee nach Hause.

Wenn du in offenem Gelände unterwegs bist, belästige niemanden. Wenn dich jemand belästigt, fordere ihn dazu auf, dies zu unterlassen. Wenn er nicht damit aufhört, vernichte ihn.

Noch zehn Tage.

Tag zweihundertneunundzwanzig

Am Telefon wurde V2 Schneider am späten Nachmittag von seinem Freund F. eindringlich gewarnt, ›dieser Dame‹ zu nahe zu treten, jeder Annäherungsversuch würde voraussagbar in einer Katastrophe enden, das sei so gut wie sicher. Vier Stunden später betrat Schneider das Themroc zu nächtlicher Stunde und wurde von einem Mitarbeiter sogleich in das abhörsichere Besprechungszimmer im Keller geleitet, übrigens der Raum, in welchem sich auch das imposante Weinlager des situationistischen Restaurants befindet. Aus einem der Kartons entnahm Alireza eine Flasche Grünen Veltliner von einer so hervorragenden Qualität, dass V2 Schneider die Tränen kamen.

Alireza war indes nicht allein. Ihm gegenüber saß A., eine attraktive Regisseurin, die ihre Zigaretten mit großer Eleganz wegrauchte. Das Essen wurde V2 Schneider eigens in den Keller serviert. Eine Kürbiscremesuppe, ein Kalbsgulasch, ein Birnen-Schokoladenkuchen, ja sogar eine Packung Marlboro wurde ihm gereicht.

Je mehr wir die Zeit zu fassen versuchen, je mehr Anstrengungen wir unternehmen, dass sie uns nicht verrinnt, vergeht sie doch umso schneller. René Viénet, ein Mitglied der Situationistischen Internationale und somit einer der Paten des Themroc, prägte im Zusammenhang mit der Pariser Studentenrevolte und der Besetzung der Sorbonne im Jahr 1968 den Satz: »Die kapitalisierte Zeit stand still. Ohne Zug, ohne Metro, ohne Auto, ohne Arbeit holten die Streikenden die Zeit nach, die sie auf so triste Weise in den Fabriken, auf den Straßen, vor dem Fernseher verloren hatten. Man bummelte herum, man träumte, man lernte zu leben.«

Noch elf Tage.

Tag zweihundertachtundzwanzig

Die Taz publiziert heute ein fantastisches Foto von Max Dax, geschossen von Odile Hain, auf ihrer Medienseite. Das Foto ist erstens deshalb gut, weil die Frisur stimmt. Zweitens ist es ein erzählendes Bild, geschossen wurde es im Zuge der Podiumsdiskussion zum Thema Antisemitismus am 18. Januar im Uebel & Gefährlich. Aus der Froschperspektive aufgenommen, sieht man einen isolierten Menschen, dessen Blick ins Leere geht, ein flacher Tisch mit mehreren darauf abgestellten Mineralwasserflaschen verdeckt Kinn und Mund, der Rest des Kopfes hingegen ist zu sehen. Die Bildunterschrift ist fast noch besser als das Bild: »Einsame Entscheidung oder genialer Einfall?«

Was V2 Schneider an dem von Lukas Dubro verfassten Stück so erfreute, ist leicht zu erklären: Der Autor hat sich das Pop-Briefing genau durchgelesen und das Potenzial dieser neuen Textform durchschaut. Er schreibt: »Der gedruckte Musikjournalismus macht momentan eine harte Zeit durch. Das sieht auch Max Dax, Chefredakteur der Spex, so und beschloss gemeinsam mit seiner Redaktion einen radikalen Schritt: die Verbannung der klassischen Plattenkritik. An ihre Stelle setzt die Redaktion seit der Januar/Februar-Ausgabe das sogenannte ›Pop-Briefing‹. Dort werden zwar immer noch Alben besprochen, aber das gleich von drei bis vier AutorInnen. Im redaktionseigenen Intranet werkeln diese in einem Zeitraum von sechzig Tagen an den Besprechungen, können immer sehen, was der andere macht, sich gegenseitig korrigieren und aufeinander Bezug nehmen. Für Max Dax ist klar, dass die Spex ›die Musikkritik damit auf eine ganz andere Ebene bringt.‹

Das sei auch dringend nötig gewesen. ›Ich persönlich lese keine Plattenkritiken mehr‹, sagt Dax. Zu spät, zu subjektiv. Es bedurfte eines Formats, das robust genug ist, sich der monatlichen Musikveröffentlichungsschwemme und der Geschwindigkeit des Internets zu widersetzen. Der Vorteil des Pop-Briefings liege darin, dass es drei bis vier Einstiege ermögliche. Man sei nicht mehr an die Meinung einzelner AutorInnen gebunden, sondern finde gleich mehrere Argumente für oder gegen ein Album. ›Das kann das Internet so nicht bieten‹, sagt Dax, auch wenn fraglich ist, wie lange die Spex dieses Alleinstellungsmerkmal haben wird.

Pop-Theoretiker Diedrich Diederichsen ergänzt in der FAZ, der wichtigste Gewinn sei der, dass endlich wieder eine ›schroffe Ablehnung des ganzen Scheiß‹ im Print lesbar wird. Derzeit ist es gang und gäbe, dass AutorInnen sich auf ihre Lieblingsbands stürzen, entsprechend liest man kaum noch kritisch über Musik. […] Das Konzept lautet also Diskurs, Tiefe und Kontextualisierung, um die Schnelligkeit des Internets auszukontern. Zwar schlägt auch Diedrich Diederichsen in diese Kerbe, fordert aber statt einer Vielstimmigkeit à la Spex, die das Internet sowieso schon böte, eine ›qualifizierte Langsamkeit‹. Lange Rezensionen sollten verfasst werden, die sich von dem Erscheinungsdatum einer Platte losmachten. Nur sie könnten wirklich leisten, was die Spex will: das Ausdiskutieren und Aushalten mehrerer Argumente und Positionen.«

V2 Schneider las den Text in der Nacht, in der S-Bahn von A nach B, und musste lächeln. Er wusste ja, dass er Recht behalten würde.

Noch zwölf Tage.

Tag zweihundertsiebenundzwanzig

Aus Versehen verschickte V2 Schneider eine E-Mail, deren Ansprache klar an eine bestimmte Person gerichtet war, an 132 Empfänger. Im Laufe des Tages meldeten sich etliche von ihnen, nahmen den Irrläufer zum Anlass, sich zu melden. Am Abend erstellte er eine kleine Liste dessen, was sich ergeben hatte:

- drei Einladungen zum Abendessen

- ein Übersetzungsauftrag (Buch)

- zwei Artikelaufträge für verschiedene Feuilletons

- zwölf Facebook-Freundschaften

- eine Telefonnummer von emotionaler Bedeutung

Am späten Abend nahm V2 Schneider die U8 bis Rosenthaler Platz, bewunderte die Schönheit etlicher mutwillig zerstörter U-Bahn-TV-Bildschirme – Flüssigkristalle vermischen sich, sie frieren hintergrundbeleuchtet zu sonderbar-abstrakten Grafiken ein – und stapfte durch den Schnee ins Themroc, wo er alles aß und trank, was ihm vor die Flinte kam.

Noch 13 Tage.

Tag zweihundertsechsundzwanzig

Im Café de la jeunesse perdue war V2 Schneider mit der Zukunft verabredet. Er notierte sich in sein schwarzes, unliniertes Moleskine-Notizbuch im Format DIN A7:

1. Moloch, auf der Basis, dass Bild und Text voneinander getrennt sind; wobei durch einen verblüffend einfachen Kniff im Satzspiegel Zwei- und Fünf-Spaltensatz kombiniert werden. Sehnsuchtsraum Großstadt. Bernd Kuchenbeiser kontaktieren!

2. Scopa, es fehlen noch vier oder fünf Spielkarten, dann müssen noch die Spielregeln in Form eines kleinen Readers niederschrieben werden. Größte Aufgabe wird der Vertrieb sein, da unbedingt parallel zum Buchhandel auch italienische Feinkostmärkte beliefert werden müssen.

3. Implosion, es fehlen noch 20 Seiten, aber sie schreiben sich leider nicht von selbst.

4. Geschichte eines Lebens, erzählt als Spiegelung seiner selbst in den Songs von Bob Dylan und den Aufnahmen des elektrischen Miles Davis.

5. Palermo scuro, Korrektur des zu freundlichen Buches in Form einer Ausstellung.

6. Gespräche mit Claude Lanzmann. Bestellen: »Sobibór, 14. octobre 1943, 16 heures« + »Un vivant qui passe«. Was ist mit den geplanten Filmen über den Judenrat von Theresienstadt und über Jan Karski?

7. Noirbilder. Dieses Projekt darf nicht einschlafen. Die ersten Siebdrucke waren zu gut!

8. Fast Food, Dialog über das Kochen, das wichtigste Projekt von allen.

9. Einunddreißig Gespräche, z.B.: Marc Almond, Bonnie ›Prince‹ Billy, Marc Brandenburg, Bernd Cailloux, Nick Cave, Robert Del Naja, Alec Empire, Harun Farocki, Bryan Ferry, William Friedkin, Gilbert & George, Matt Groening, Jean-Michel Jarre, Grace Jones, Jutta Koether, Joseph Kosuth, Jonas Mekas, Möglichkeit einer Insel, Chris Lowe, Hermann Nitsch, Hans-Ulrich Obrist, Albert Oehlen, Yoko Ono, Ed Ruscha, Werner Schroeter, Mimmo Siclari, Neil Tennant, Robbie Williams, Joe Zawinul

Noch 14 Tage.

Tag zweihundertfünfundzwanzig

Primo Piatto: 2 Kilo Moules Bouchot, Olivenöl, Weißwein, feingehackte Petersilie, eine Handvoll Cherrytomaten (halbiert), 4 Knoblauchzehen und 4 Schalotten  in brunoise geschnitten und drei Peperoncinoschoten in einem großen Topf erhitzen, bis sich alle Miesmuscheln geöffnet haben.

Secondo Piatto: Zwei Doraden Royal al acquapazza, also in scharfem Weißwein/Ölbett ca. 40 Minuten bei 200° C gebacken, mit Karottenschnitzen, Tomaten und etwas Fenchel, dazu Rosmarin.

Terzo Piatto: Gateau au Vin.

Jochen Irmler besucht V2 Schneider in Neukölln gegen 18:30 Uhr. Gemeinsam hören sie das offiziell letzte Faust-Album »Faust Is Last«, zu deren Liner Notes Alec Empire einen klugen Satz beisteuerte: »[…] while we face a music industry in its worst crisis: Faust’s ›career‹ serves as an example for young bands when it comes to being an independent artist, in terms of business and maintaining musical integrity at the same time. Listen and think, let nobody else control your art.«

Zum Sound der neuen Platte, zwischen Geräuschen aufeinander schabender Stahlplatten, auf dem Glockenspiel gespielter Melodien, verhallter E-Gitarren und immer wieder Jochen Irmlers Orgel, verabreden die beiden, dass Schneider das nächste Faust-Album produzieren wird. Es wird dann »The End« oder »Very Last« heißen.

Es ist schön, wenn in einer Küche auch gekocht wird.

Noch 15 Tage.

Tag zweihundertvierundzwanzig

Am Abend: Flutlichtspiel auf Sky TV. Die Körpersprache der Spieler lässt von der ersten Minute an keinen Zweifel aufkommen, dass der FC St. Pauli auswärts gegen den MSV Duisburg gewinnen wird. Mit stolzer Brust und einer reifen Spielanlage schaltet die Mannschaft blitzschnell nach Balleroberung in der eigenen Hälfte auf Angriff um und läuft einen Konter nach dem anderen. Zwei dieser wunderschön herausgespielten Konter schließt der FC St. Pauli bereits in der ersten Halbzeit mit Toren ab, die Entstehung der Tore gleicht sich: öffnender Pass aus dem Mittelfeld auf Linksaußen, fehlgeschlagene Abseitsfalle Duisburg, Querpass in den Strafraum, Tor. In der zweiten Halbzeit ist das Spiel auf tiefem Boden ausgeglichener, aber Glanzparaden der Torwarte auf beiden Seiten ändern nichts mehr am Spielstand. St. Pauli siegt und ist mindestens bis Montag Tabellenführer der zweiten Liga.

Mit dem Taxi ins Themroc, wo V2 Schneider ein unentschlossenes Mahl – panierter Seeteufel mit Kartoffelgratin und ausgerechnet verschiedenfarbigem Paprikagemüse – serviert bekommt.

Frage: »Warum Paprika«

Antwort: »Es ist seit Wochen grau in Berlin. Die Paprikas strahlten mich frühlinghaft an.«

Um Mitternacht betritt Jochen Irmler, der Gründer der Band Faust, mitsamt seiner Entourage das Themroc. V2 Schneider ist mit ihm verabredet. Gemeinsam besprechen sie, welche Künstler auf dem Klangbad-Festival im August auftreten sollen. V2 Schneider empfiehlt Auftritte von Kristof Schreuf, Festland und Beak> sowie DJ-Sets von Pantha du Prince, Ol’ Dirty Hossbach und Alec Empire. Da die Küche zu dieser späten Nachtstunde bereits geschlossen ist, Jochen Irmler aber zu seinem Whiskey gerne etwas essen würde, wirft Schneider den Herd an und bereitet aus den übriggebliebenen drei Seeteufelfilets, einigen Tomaten, Knoblauch und Peperoncino einen schnellen Sugo mit Rigatoni zu, den die entrückte, aber bezaubernde T. um Punkt 0:37 Uhr serviert. Die übriggebliebenen Paprikas landeten im Mülleimer.

Noch 16 Tage.